Suchthilfe Wien gGmbH - 10 Jahre ChEck iT! - Unterlage für Pressegespräch
10 Jahre ChEck iT! - Unterlage für Pressegespräch
Dienstag, 23 Oktober 2007
Anlässlich des 10. Geburtstags veranstaltet ChEck iT! am 19. Oktober in Wien in Kooperation mit dem EU-Projekt "Democracy, Cities & Drugs" eine internationale Tagung mit Fachexperten rund um das Thema „Freizeitdrogenkonsum". Neben den Schwerpunktthemen „Cannabis“ und „Kokain“ stehen aktuelle Konsumtrends sowie die neuesten Ansätze in Betreuung und Beratung im Vordergrund der Tagung. Freizeitdrogenkonsum in Wien in Zahlen Laut dem Bericht vom ÖBIG zur "Drogensituation in Österreich 2005" macht rund ein Viertel aller Jugendlichen in Österreich zumindest einmal im Leben Erfahrungen mit Cannabis, immerhin jede/r zwanzigste probiert auch andere illegale Substanzen. Um einiges höher ist die sogenannte Konsumprävalenz in verschiedenen Jugendszenen: Obwohl der Zenit in der Rave-Kultur etwas überschritten ist, ist der Konsum von synthetischen Substanzen nach wie vor ein Thema. Untersuchungen von ChEck iT! zeigen zudem, dass der Mischkonsum von Ecstasy mit Alkohol gestiegen ist. Früher konsumierten EcstasykonsumentInnen zwei mal pro Monat eine Tablette, jetzt nimmt jede/r KonsumentIn derzeit durchschnittlich einmal im Monat rund 2,5 Tabletten. Der MDMA-Gehalt der Tabletten ist seit 1998 konstant geblieben (rund 50mg MDMA/Tablette). Die Konsumfrequenz bei CannabiskonsumentInnen ist seit 1998 von durchschnittlich sechs Tagen/Monat auf 15 Tage/Monat angestiegen. Der Prozentsatz der regelmäßigen CannabiskonsumentInnen (Konsum an 20-30 Tagen/Monat) ist von 25% 1998 auf 45% 2003 gestiegen.
Die Wiener Antwort - Das Wiener Drogenkonzept „Zentrales Ziel der Wiener Drogenpolitik ist, dass so wenige Menschen wie möglich Drogen konsumieren, und das jene, die davon nicht abzuhalten sind, so wenig Schaden wie möglich nehmen“, so Michael Dressel, Wiener Drogenkoordinator und Geschäftsführer der Sucht- und Drogenkoordination Wien GmbH (SDW). Um dies zu erreichen baut das Wiener Drogenkonzept von 1999 auf vier gleichwertigen Säulen auf. Diese sind Suchtprävention, gesundheitsbezogene Maßnahmen, soziale Integration und öffentliche Sicherheit.
„Sucht ist ein gesellschaftliches Phänomen und stellt daher eine gesamtgesellschaftliche und politische Aufgabe dar“, so Dressel weiter. Aus diesem Grund wurde von der Stadt Wien die Sucht- und Drogenkoordination Wien mit dem Institut für Suchtprävention (ISP) gegründet. Das ISP ist als Drehscheibe und Kompetenzzentrum mit den Aufgaben der Steuerung und der Qualitätsentwicklung der in der Suchtprävention tätigen Einrichtungen beauftragt und realisiert innovative, international anerkannte Suchtpräventionsprojekte. Eines der Projekte, das von der SDW seit Anbeginn gefördert wird, ist ChEck iT!, das heuer seinen zehnten Geburtstag feiert.
Konsummotivation bei Jugendlichen Alfred Springer, Professor für Psychotherapie und Psychiatrie und Obmann des Vereins Wiener Sozialprojekte (VWS), dem Träger von ChEck iT!, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Drogenkonsum bei Jugendlichen. Die Frage nach den Gründen für den Konsum beantwortet er wie folgt: „Man möchte Spaß haben, sich nicht von der Bezugsgruppe isolieren, die Gruppenprozesse aktiv miterleben - kurz: Glücksgefühle vermittelt bekommen". Außerdem, so Springer weiter, darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Reiz des Experimentierens als Ausdruck von Risikobedürfnissen diene - das Experimentieren mit Drogen habe für viele den Charakter eines kontrollierbaren Abenteuers. "Präventionsansätze für bereits konsumierende Jugendliche, die diese Zusammenhänge negieren und nicht akzeptieren, dass bestimmte Formen des Drogenkonsums für bestimmte Jugendliche zum Alltag gehören und ihnen Genuss verschaffen, gehen an der Lebenswirklichkeit dieser Zielgruppe vorbei und können dementsprechend nicht von ihr angenommen werden", meint Springer.
10 Jahre ChEck iT! Um die Suchtgefahr und zusätzlichen Schaden, der aus dem Konsum resultiert, zu verringern, hat der VWS 1997 ChEck iT! initiiert. Ursprünglich nur für das "pill testing" bei Veranstaltungen bekannt, avancierte das Projekt zum Kompetenzzentrum im Bereich der Freizeitdrogen. ChEck iT! bietet Information und kostenlose, anonyme Beratung auf Raves, Partys und in Clubs sowie Krisenintervention, Online-Beratung (www.checkyourdrugs.at), anonyme Einzelberatung, Gruppenangebote, Rechtsberatung und eine Arztsprechstunde in der Anlaufstelle "Homebase" an. Außerdem werden Studien durchgeführt, Schulungen und Vorträge abgehalten sowie Informationsmaterialien erstellt.
Sophie Lachout, die Leiterin des Projektes, beschreibt die Gründe für die Akzeptanz des Projektes seitens der Zielgruppe: "Wir holen die Konsumenten und Konsumentinnen dort ab, wo sie gerade stehen. Wenn sie an der Schwelle zum problematischen Konsum sind, begleiten wir sie, damit sich keine Abhängigkeit entwickelt."
Die Herausforderungen für die Zukunft sieht sie vor allem in der Entwicklung von Angeboten, die für Cannabis- und KokainkonsumentInnen attraktiv und annehmbar sind, und in der schnellen, pragmatischen und flexiblen Adaption von Angeboten und Maßnahmen. " Die FreizeitdrogenkonsumentInnen sind eine sehr heterogene Zielgruppe. Auf der einen Seite haben wir es mit Jugendlichen zu tun, die im Zusammenhang jugendlicher Entwicklungsaufgaben mit Substanzen experimentieren, diese probieren und gelegentlich oder gewohnheitsmäßig konsumieren. Wir wissen, dass der größte Teil dieser Gruppe wieder mit dem Drogenkonsum aufhört. Bei dieser Zielgruppe geht es darum, sie in der Phase, in der sie psychoaktive Substanzen konsumieren, zu begleiten, um ein problematisches Konsumverhalten und mögliche kurz-, mittel- und langfristige Gesundheitsschäden zu vermindern. Manche Jugendliche aber befinden sich bereits an der Schwelle zu einem problematischen Konsum. Hier setzt die sogenannte Frühintervention an. Wir versuchen möglichst rasch eine mögliche Problematik zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern."
Freizeitdrogenkonsum in Europa Laut Schätzungen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht ist Kokain die illegale Droge, die in Europa am zweithäufigsten konsumiert wird. Kokain liegt kurz vor Amphetaminen und Ecstasy.
"Throughout Europe, legal and illegal drug use has become a consistent feature of nightlife and a complex issue to attend. The use of cocaine is increasing in most European countries, the interrelated consumption of psychoactive substances, which include both alcohol and tobacco, the emergence of new substances and new trends complicate both our understanding and response.", sagt Stephane Leclercq, Projektkoordinator des “Democracy, Cities and Drugs”- Projekts (DC&D) "Safer Nightlife".
DC&D ist ein Zusammenschluss von 300 europäischen Städten und 7 Netzwerken von NGOs, das lokale und unter Beteiligung der Zivilgesellschaft zustande gekommene Antworten auf die Drogenproblematik fördern möchte. "Based on the comparison between the experiments undertaken by a open Network of Cities and NGOs, the project intends to support the creation of local partnerships and to set up a sustainable resource network based on the mutual exchange of relevant knowledge and expertise.", so die offizielle Projektbeschreibung (www.democitydrug.or). Das Projekt wurde 2005 ins Leben gerufen und ist zu 50% von der Europäischen Kommission kofinanziert.
Leclercg´s Antwort, aber auch seine Forderungen im Umgang mit dem Thema Freizeitdrogen lässt sich wie folgt zusammenfassen: - Akzeptieren, dass jede Generation ihre Grenzen austestet, - Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit beim Konsum, - Realismus und Pragmatismus in der praktischen Arbeit sowie - Zusammenarbeit aller Beteiligten.